Mordspropeller zerstören das Rotmilan-Land Bergwinkel

Schlüchtern ist von Windindustriegebieten fast umzingelt, weitere Projekte sind in Planung, um die verbliebenen Lücken zu schließen. Geldgier und Verantwortungslosigkeit feiern im Verein mit Realitätsverweigerung und Dummheit fröhliche Urständ bei diesem Verbrechen, dessen Entstehungsgeschichte im Fall Windindustriegebiet Breitenbach weiterhin im Dunkel von Geheimverträgen liegt. Bekannt ist nur, dass die beiden damaligen Magistratsmitglieder Bürgermeister Falko Fritzsch (SPD) und Patrick Ommert (FDP) die Verträge mit der Fa. Turbowind (bzw. deren Vorgängerin) 2014 unterzeichneten. Verdächtig ist, dass auch der neue Bürgermeister Matthias Möller (seit 2016, parteilos) diese Verträge entgegen seines ausdrücklichen Versprechens vor der Wahl sowie trotz später mehrfacher Nachfrage durch die BürgerBewegung Bergwinkel (BBB) bisher nicht offengelegt hat. Es liegt nahe, zu fragen, ob bei dem Deal etwas zum Himmel stinkt. Hat die Stadt etwa haftungsträchtige Fehler gemacht? Oder erfolgten gar rechtswidrige Vorfestlegungen? Die beiden Staatsrechtler Elicker und Langenbahn schreiben hierzu:

Schon im Vorfeld der Änderung von Flächennutzungsplänen wurden und werden dabei von den Kommunen häufig – ja regelmäßig – konkrete Verträge mit einzelnen Geschäftemachern abgeschlossen […]. Das hat zur Folge, dass der spätere Abwägungsvorgang im Stadtrat unter einer verbotenen einseitigen Vorfestlegung leidet, da der Stadtrat nicht mehr unvoreingenommen entscheiden konnte […].

Dies macht die gesamte Planung nichtig durch den Abwägungsfehler der sog. „subjektiven Abwägungssperre“. Es wird also von der Kommune ein Versprechen an das private Windkraftunternehmen gegeben, das von vornherein automatisch gerade durch diese Bindung rechtswidrig ist. Ob man dies als eine Form der Korruption einstuft, mag nur nach den konkreten Umständen des Einzelfalls beurteilt werden können. Jedenfalls sind diese Verträge … nichtig aufgrund des Verstoßes gegen gesetzliche Verbote.

Quelle: Elicker/Langenbahn: Was eine Gemeinde alles falsch machen kann (2015).

Inzwischen wachsen die Monsterpropeller unverdrossen in die Höhe und überschatten selbst die Innenstadt. Soo hat sich das so mancher sicher nicht vorgestellt, dem jetzt auch dämmert, dass die eigene Immobilie für den Reibach einiger Raffkes empfindlich an Wert verlieren wird. – Bei Menschen kann man freilich sagen: Selber schuld. Wer wissen wollte, hätte wissen können. Das ist jetzt die verdiente Quittung für Indolenz und widerstandslose Hinnahme der Zerstörung der heimischen Landschaft. –

Bei Tieren dagegen sieht es anders aus: Die können sich nicht wehren. Nehmen wir den Rotmilan, den „Problemvogel“ der Subventionsraffkes, eine „eigentlich“ streng geschützte, aber durch WKA besonders bedrohte Art. Deren Schutz wurde ausgerechnet im Rotmilan-Land Bergwinkel bei der Genehmigung von Windindustriegebieten gezielt ausgehebelt – unter dem vernehmlichen Applaus selbsternannter „Vogelschützer“, die de facto Komplizen eines gigantischen Vogelmassenmords sind.

Schauen wir uns zunächst mal an, was ein echter Natur- und Vogelschützer zum Thema zu sagen hat, Andreas Kieling:

06:05 | Aktionsraum des Rotmilans
07:13 | gesetzlicher Mindestabstand zu WKA ist kein effektiver Schutz

All dies ist im Bergwinkel seit Jahr und Tag bekannt, scheint aber niemanden besonders zu interessieren. Da verschwindet auch schon mal ein Bruthorst auf rätselhafte und „unerklärliche“ Weise – und zwar just dort, wo er den Subventionsraffkes bei der Genehmigung neuer Propeller Probleme machen könnte. Von fleißigen Aktivisten wurden umfangreiche Dokumentationen angelegt – alles für die Katz. Selbstherrliche Bürokraten setzen sich über Bestimmungen hinweg, parallel wird versucht, das Naturschutzgesetz auszuhebeln.

Dabei sind die nackten Zahlen schon längst erschreckend:

„Neben den geschätzt 1000 getöteten Rotmilanen pro Jahr müssen wohl zwischen 10.000 und 12.000 tote Mäusebussarde der Windindustrie zugeschrieben werden“

schrieb die WELT im August 2016 und bezog sich dabei auf die zwei Monate zuvor veröffentlichte Progress-Studie der Universität Bielefeld, in der es u.a. heißt,

“dass durch den derzeitigen Ausbauzustand bereits Kollisionsraten auftreten, die zu einem Bestandsrückgang führen können”.

Dass in Deutschland Jahr für Jahr gut 3% der „eigentlich“ streng geschützten Rotmilane von Rotoren geschreddert werden*, interessiert die vom Schwindelwindvirus infizierten „Naturschützer“ nicht die Bohne. Es geht um Ideologie, und die vernebelt bekanntlich die Gehirne.

Nochmal Andreas Kieling, der auch erklärt, warum so wenige Windradopfer gefunden werden:

*Weltweit 25.000 Brutpaare = 50.000 Vögel | Davon 60% in Deutschland = 30.000 | davon 1.000 getötet = 3,3 % – das kommt einer Kriegserklärung an den Rotmilan gleich.

Zum Vergleich: bei einer deutschen Gesamtbevölkerung von rund 80 Mio. Menschen entsprächen 3,3 % jährlichen 2,6 Mio. Opfern durch vorsätzlich fahrlässiges Handeln des Staates. – Weiterer Vergleich: Der nationalsozialistische Staat hatte ab 1939 bei fast gleicher Bevölkerungszahl wie die heutige BRD unter der eigenen Bevölkerung ca. 6,9 Mio. Tote zu verantworten (Soldaten plus Zivilisten) – über knapp 6 Kriegsjahre verteilt. Würde man die jährliche Tötungsrate des Rotmilans heranziehen, würde dies rd. 15 Mio. deutschen Kriegstoten entsprechen. Die Dezimierung des Rotmilanbestandes hat also rund die doppelte Intensität wie die als traumatisch empfundene Vernichtung eines Teils der eigenen Bevölkerung durch den Nazistaat (die von diesem Staat zu verantwortende Gesamtzahl der Opfer des von ihm entfesselten Krieges tut hier nichts zur Sache).

Titelbild: Tim Felce (Airwolfhound; Wikipedia)

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